Handgemachte Einladungskarten

| | Yannic & Susann | 3

Wie ihr sicher schon an meinem Beitrag über bestickte Papeterie gemerkt habt, liebe ich alles rund um das Thema Hochzeitspapeterie und wie man sie selbst basteln oder verschönern kann. Natürlich bin ich damit nicht allein! Vor einigen Wochen habe ich ganz zufällig den wundervollen Blog „creating impossible gardens“ und einen Beitrag über die eigene Papeterie der Gleichgesinnten Yoojin gefunden und konnte nicht anders, als sie anzuschreiben und um einen Gastbeitrag bei den Bildpoeten zu bitten. Von meiner Seite aus ist es immer einfach DIY-Projekte vorzustellen, wo ich ganz in Ruhe zu Hause vor mich hinbasteln kann und keine großen Mengen herstellen und nicht die tausend anderen Dinge im Kopf haben muss, die man außerdem für den großen Tag zu planen und organisieren hat. Heute könnt ihr über Erfahrungen aus der Sicht einer Braut lesen – mit allen Höhen und Tiefen, kleinen Problemen und großen Erfolgserlebnissen. Ich wünsche euch viel Spaß mit Yoojins Entstehungsgeschichte zu ihren bezaubernden Einladungskarten! Danke dafür!

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Hallo allerseits!

Ich freue mich unglaublich, dass ich diesen Gastbeitrag verfassen darf und danke noch einmal ganz herzlich Susann, die mir diese tolle Gelegenheit dazu gibt. 😀
Ich bin Yoojin, Diplom-Informatikerin (auch wenn ich den etwas spannender klingenden und tatsächlich weitaus kreativeren Studiengang „Computervisualistik“ studiert habe), und promoviere zurzeit am KIT im Bereich Medizinische Informatik.
Abgesehen von diesem leicht nerdigen Beruf, habe ich schon immer unglaublich gerne kreativ gearbeitet. Ob Zeichnen, Stricken, Häkeln, Basteln, Fotografieren… einfach alles, was man so kreativ mit seinen Händen bewerkstelligen kann. Trotz meiner Arbeit, die mir super viel Spaß macht, ist und bleibt daher meine größte Leidenschaft das Kreative. :)
Als ich dann Ende letzten Jahres aus für mich heiterem Himmel die Frage aller Fragen gestellt bekommen habe, war mir von Anfang an klar, dass ich unsere Einladungen sowie die gesamte Hochzeitsdekoration gerne selbst in die Hand nehmen würde.
In diesem Artikel würde ich euch gerne einen Einblick in die Entstehung unserer Einladungskarten geben und falls ihr gerade selbst vor dieser Entscheidung steht, ein wenig bei der Konzeptentwicklung helfen.

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Entwicklung der Idee

Am Anfang habe ich das Gleiche wie wahrscheinlich alle Bräute gemacht: Wie verrückt Ideen gesammelt. Dafür bietet das Internet allerhand Möglichkeiten, ich habe aber hauptsächlich Pinterest genutzt, um die schönsten Ideen zu sammeln.
Relativ schnell kam ich dabei an einen Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass es mir zu viel wird und ich den Überblick zwischen all den schönen Ideen verliere. Mir wurde klar, dass ich weder alle tollen Ideen noch alle Stilrichtungen gleichzeitig in einer einzelnen Einladungskarte vereinen kann.
Also habe ich mir die Zeit genommen, in Ruhe auszusortieren und mir Gedanken zu machen, was von all den schönen Ideen und Stilen am besten zu uns beiden passt.

Gestaltung des Konzepts

Es gibt mehrere Faktoren, die man bei der Gestaltung der Einladung in Betracht ziehen kann, ich habe mich vor allem mit diesen beschäftigt: Farbauswahl, Stil, Symbol, Komponenten der Einladung.
Bei der Farbauswahl tat ich mich nicht schwer. Ich liebe Kraftpapier, so wie schöne blasse Naturfarben. Und da mein Verlobter und ich Pflanzen und die Natur lieben, wählte ich die Farbe Grün, um einen Akzent in die eher neutralen Naturfarben zu bringen.
Da ich Handarbeit liebe, wollte ich handgemachte und persönliche Einladungen, auf eine gewisse Art und Weise simpel, da etwas zu edles und kitschiges nicht zu uns passt, aber trotzdem individuell und besonders.
Mir gefiel auch die Idee von einer Art Symbol, die sich durch die Einladung zieht, etwas dass die Einladung zu einem Ganzen macht.
Hier ging ich noch einmal separat auf die Suche und hielt Ausschau nach möglichen Symbolen, vor allem nach schönen Pflanzen, Bäumen oder Blättern mit einer passenden Bedeutung. Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Gingko, gewann letztendlich aber der Farn, da dieser von seiner Form her vielfältiger ist. Die Entscheidung fiel übrigens leichter, nachdem ich für beides ein paar Entwürfe skizziert und jeweils einen Teststempel erstellt hatte.
Als letztes entschied ich mich für die Komponenten der Einladung. Da ich ein absoluter Snail-Mail-Liebhaber bin, fand ich von Anfang an gefallen an Einladungen, die aus vielen verschiedenen Teilen bestehen. Ich finde es einfach unglaublich spannend, wenn die Einladung nicht nur aus einer einzigen Karte besteht, sondern man beim Öffnen dauernd etwas Neues entdeckt. Da ich zusätzlich dazu schön verpackte Dinge liebe, kam mir die Idee, alles schön kompakt zusammen in einer Art Mappe zu „fixieren“ und dann mit einem schönen Garn zu verschließen.

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Umsetzung der Ideen

Der nächste Schritt, nämlich die ganzen Ideen in ein Gesamtkonzept umzusetzen, hat relativ lang gedauert und die ganzen Entscheidungen fielen mir nicht leicht. Daher entwickelte ich mit Hilfe meiner Trauzeugin ein paar Prototypen, um die Machbarkeit des Grundkonzeptes zu testen und die Wirkung des Gesamten besser beurteilen zu können.
Ich begann auch mit den ersten Nähversuchen von Papier auf der Nähmaschine, die ich zuvor nur einmal bedient hatte. 😉 Zum Glück hat mich auch dabei eine Freundin etwas unterstützen können. Nach einigen missglückten Versuchen und mit Übung hat dies aber sehr gut funktioniert.
Des Weiteren musste ich mich entscheiden, welche Bereiche per Hand geschrieben, welche gestempelt und welche gedruckt werden sollten. Im Endeffekt entschied ich mich dafür, per Hand zu entwerfen, einzuscannen und zu drucken und nur das Symbol zu stempeln.
Also entwarf und schnitzte ich Farne für verschiedene Bereiche in der Einladung und ein simples nicht zu kitschiges Logo aus den ersten Buchstaben unserer Vornamen. Vor allem das Schnitzen von Buchstaben bereitet mir Probleme, da das Geschnitzte auch wirklich wie ein Schriftzug aussehen sollte. Nach 5 Versuchen war ich jedoch zufrieden…ich weiß, die Perfektionistin in mir grüßt…;)
Als Letztes wurde alles weitere der Einladung von mir per Hand entworfen: Die Anfahrt, das Programm, die Schriftzüge, sowie den Haupttext und alle Überschriften.
Durch die handgeschriebenen Überschriften wollte ich das Persönliche an den Einladungen erhalten und empfand deswegen den Mix aus getippt und geschrieben einen gelungenen Kompromiss.
Ein Tipp übrigens, den ich selbst ausgetestet habe. Auf der Seite myscriptfont kann man ein Alphabet handschriftlich einscannen und daraus einen eigenen Font generieren! Auch wenn mir diese Idee gefiel, habe ich mich im Endeffekt dagegen entschieden.

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Photo: Yoojin Jeong

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Photo: Yoojin Jeong

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Besorgung vom Material

Auch dies war nicht ganz so einfach, da ich in Geschäften nicht fündig geworden bin. Schade, denn im Internet Material zu bestellen finde ich immer etwas problematisch, da es oft im Endeffekt doch anders aussieht als gedacht.
Was habe ich also gemacht? Beim Material immer mehrere Alternativen bestellt. Das ist mühselig und kostet etwas, aber es hat sich ausbezahlt: Der Karton für die Mappe, den ich am Bildschirm am Schönsten fand, war im Endeffekt doch zu hell und gelblich, das Garn von Garn & mehr, von dem ich dachte, es passt farblich am besten, war dann doch zu hell, usw. :) Durch meine Alternativ-Bestellungen hat aber im Endeffekt alles zusammengepasst und ich musste mich nicht weiter auf die Suche machen. 😀 Abgesehen davon, bastel ich ja sehr gerne, von daher kann ich das übrig gebliebene Material auch sehr gut weiterverwenden.
Was man übrigens nicht vergessen sollte, sind die Umschläge, denn die gehören auch mit zur Einladung. Da entschied ich mich für Papiertütchen, in die die Einladungen perfekt reinpassten. Verschlossen alles natürlich mit…Washitape! 😀

Die Geburt der Einladungen

Danach habe ich das getan, wovor die meisten wahrscheinlich zurückschrecken, wenn sie daran denken, die Einladungen selbst zu machen: Abende lang mit meiner Trauzeugin zusammen geschnitten, gefaltet, genäht, gedruckt, geklebt, gestempelt… Es waren teilweise nervige Stunden, z.B. wenn ich mal wieder ein bereits zugeschnittenes Papier durch schlechtes Stempeln ruiniert hatte. Aber auch sehr schöne, denn alles per Hand zu machen und langsam zu sehen, wie die Einladungen entstehen ist ein unbeschreiblich tolles Gefühl!
Nebenbei fand ich es sehr faszinierend, wie sehr der Mensch automatisch optimiert. Die ersten Faltversuche z.B. waren noch total umständlich, aber bald hatten wir beide verschiedene Techniken entwickelt, um die „Produktion“ zu beschleunigen.
Übrigens solltet ihr vor allem bei großen Stempeln, den Stempel auf einen Acrylblock kleben, der sorgt nämlich dafür, dass man automatisch gleichmäßiger stempelt.
Und der wichtigste Tipp: Lasst den Perfektionismus sein! 😉 Ich bin selbst sehr perfektionistisch veranlagt, aber bei der Entstehung der Einladung geht einfach eine Menge schief. Man kann nicht jede Einladung perfekt machen, mal sitzt der Stempel nicht richtig, mal wurde eine Fläche nicht gleichmäßig genug mit Stempelfarbe benässt, mal ist der genähte Strich nicht gerade, mal wurde nicht an der perfekten Stelle gefaltet….und und und. Aber das macht ja gerade das Handgemachte aus, dass eben keine Einladung perfekt ist und jede einzigartig. :)

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Happy End

Und das Ergebnis unserer Mühen seht ihr auf den Fotos. :) Auch wenn alles sehr viel Arbeit gekostet hat, war es die Mühen allemal wert. Von so vielen Seiten haben wir Begeisterung und Lob erhalten. Aber am Schönsten war die Begeisterung meines Verlobten, der sich so über die selbstgebastelten Einladungen gefreut hat. :)
Wenn ihr euch entscheidet, die Einladung auch selbst zu basteln, solltet ihr euch auf jeden Fall genügend Zeit nehmen, aber bei der Planung auf gar keinen Fall übertreiben und nur das machen, was ihr wirklich schaffen könnt.
Z.B. wollte ich am Anfang unbedingt passende Save-the-Date-Karten erstellen, habe diesen Gedanken aber fallen gelassen, weil ich mit der Idee der Einladung noch gar nicht so weit war und es zeitlich einfach nicht geschafft hätte. Und da ich wusste, dass ich relativ viele Einladungen basteln muss (etwa 65 Stück), wollte ich auch nicht zu viel Handgemachtes in die Einladung integrieren, da das viel zu stressig geworden wäre.
Es ist auch Unsinn, wenn ihr glaubt, ihr seid nicht „begabt“ genug, um so etwas selbst zu machen, auch wenn ihr es eigentlich gerne machen würdet. Es gibt die einfachsten Techniken, die keiner großen Bastelkünste bedürfen, die aber alles viel persönlicher und individueller gestalten. :)
Ich hoffe, euch hat der Beitrag zur Entstehung unserer Einladungen gefallen und euch ein wenig Mut gemacht, selbst Stift, Papier und Schere in die Hand zu nehmen. :)

Wichtig ist auf jeden Fall, sich nicht zu stressen und die schöne Verlobungszeit zu genießen! :)

Alles Liebe, eure Yoojin

3 Kommentare

  1. Katrin Felsberg

    Super schöne Einladungskarten :)
    Wo genau bekommt man denn das Papier her? Ich habe mal im Internet recherchiert und finde nichts brauchbares in Größe DIN A2?!

  2. Samantha

    Ich plane gerade meine Hochzeit und möchte auch viel selbst machen. Auf der Suche nach schönen Einladungskarten bin ich auf deine gestoßen und bin begeistert. Das Design ist großartig und passt auch super zu unserem Thema. Wir heiraten im viktorianischen-Steampunk-Stil und da ist so eine Karte zum aufbinden und klappen und herausziehen einfach wunderbar passend.

    Vielen Dank für die tolle Idee.

    Liebe Grüße,
    Samantha

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